Otto-Schmidt-Rennen - Zur Erinnerung an "Otto-Otto"

Hamburg-Horn (hrc) - Der Galopprennsport lebt vom Totalisator-Umsatz, vom Engagement und der Opferbereitschaft der Züchter und Rennstallbesitzer, Futtermeister, Stalleute und Trainer, von der Tätigkeit der ehrenamtlichen und bestellten Funktionäre und den Veranstaltern, den Rennvereinen. Aber auch von seiner Tradition und Geschichte, denkt man nur an die wissenschaftlich fundierte Zucht des Vollblüters, die eine Jahrhunderte alte Geschichte hat! Abgesehen von geringfügigen Abwandlungen besteht das Rennsystem in allen Rennsport treibenden Ländern seit Jahrzehnten in unveränderter Form.

Ein Beispiel hierfür war das am ersten Renntag der Derby-Woche anstehende "Otto-Schmidt-Rennen", diese letzte Vorprüfung für das Deutsche Derby, in dem dreijährige Hengste und Stuten startberechtigt sind.

Das "Otto-Schmidt-Rennen" hielt die Erinnerung wach an den populärsten deutschen Jockey aller Zeiten. Nicht nur, daß Otto Schmidt (geboren 6. Februar 1896, gestorben 14. April 1964) mit 2.218 Siegen einer der erfolgreichsten deutschen Jockeys aller Zeiten war, sondern ihn zeichnete auf allen deutschen Rennbahnen eine schier unbeschreibliche Volkstümlichkeit aus, die auf einer einwandfreien Berufsauffassung, herzerfrischendem Mutterwitz, großem Können und "Ehrlichkeit zum Sieg" beruhte. Der Ruf "Otto-Otto" war und ist gleichzusetzen mit dem "Uwe-Uwe"-Ruf auf den Fußballfeldern der vergangenen 30 Jahre.

Der Hamburger Renn-Club schrieb bald nach dem Tod von Otto Schmidt das "Otto-Schmidt-Gedächtnisrennen" aus, das 1964 zum ersten Male gelaufen und von Stall Reginas Nereus unter Jockey Kurt Lepa gewonnen wurde. Nereus war der letzte Sohn seiner 1961 eingegangenen Mutter Nidda (v. Nereda), die aus der Mutterlinie der Nella da Gubbio stammte, einer Linie, die im Gestüt Erlenhof ansässig war und auf die auch die Derbysieger Niederländer (1950) und Neckar (1951) verweisen können und die die beiden letzten Derbysieger waren, die Otto Schmidt, der siebenmal das "Blaue Band" gewann, in Horn geritten hat. Ebenbürtig zu Niederländer und Neckar muß aus der N-Linie die in zehn Rennen ungeschlagene Nereide genannt werden, die fünf Tage vor ihrem Derby-Sieg 1936 das Nickel-Eintracht-Rennen (1.800 m) nur nach Kampf um eine Kopflänge gegen Röttgens Reichsfürst als Siegerin beendete.

Damit sei hier die Anknüpfung zu der Feststellung gegeben, daß das "Otto-Schmidt-Rennen" als letzte Vorprüfung zum Derby eine alte Horner Tradition fortsetzte, die bis in das Jahr 1893 zurückreicht. In jenem Jahr wurde zum ersten Mal ein Nickel-Rennen (für Hengste) und ein Eintracht-Rennen (für Stuten) entschieden. Namensgeber waren der Sieger im Großen Hansa-Preis 1892, der Hengst Nickel, und die Siegerin im Preis der Diana 1889, Eintracht.

Bis 1934 blieb es bei den beiden Rennen, die ab 1935 (bis 1943) zum Nickel-Eintracht-Rennen vereinigt wurden. 1953 und 1954 ließ der Hamburger Renn-Club das Rennen vorübergehend wieder aufleben, doch erst seit der Gründung des "Otto-Schmidt-Rennens" kann man von einer Wiederaufnahme dieser traditionsreichen Derby-Vorprüfung sprechen. Interessant ist, daß es immerhin acht Derby-Sieger gab, die sich vor ihrem Triumpf in Hamburg das Nickel-Eintracht-Rennen bzw. das Otto-Schmidt-Rennen holten.

1920 Hauptgestüt Graditz - Herold - J. Rastenberger
1922 Gestüt Weil - Hausfreund - W. Tarras
1925 L. Lewin - Roland - E.Haynes
1934 Gestüt Erlenhof - Athanastus - J. Rastenberger
1936 Gestüt Erlenhof - Nereide - E. Grabsch
1942 Gestüt Erlenhof - Ticino - O. Schmidt
1973 Gestüt Zoppenbroich - Athenagoras - H. Remmert
1974 M. Gräfin Batthyany - Marduk - J. Pall

(30.05.2000)


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